Gehen wir in der Zeit ein paar Jahre zurück. Wir befinden uns im Jahre 2001. Microsoft entlässt Windows XP in die “freie Wildbahn”. Der Konzern veröffentlichte ein Betriebssystem, dass zum ersten mal seit Jahren wieder für Unternehmen und Privatanwender konzipiert war. Windows XP verband, die Stabilität der NT-Line (denn es basierte ja auch auf NT) mit den Multimediafunktionen der Windows 9x Serie. Windows XP wurde sehr sehr erfolgreich – das kann man nicht bestreiten.
Schon bevor man XP in den Verkauf gab begannen die Arbeiten an seinem Nachfolger. Damals unter dem Codenamen “Longhorn”. Longhorn setzte auf dem XP Code auf und sollte lediglich ein kleines Update werden, dass irgendwann 2003 auf den Markt kommen sollte und einem Zweischenschritt zu dem nächsten großen Betriebssytem “Blackcomb” werden. Wie die Zeit zeigte sollte aus diesem Plan nichts werden. Longhorn wurde immer mehr mit neuen Funktionen zugeladen oder es wurden zumindest immer mehr Blackdombfunktionen nach Longhorn vorgezogen und es wurde zum Major Update erklärt. Während dieser Entwicklung erhielt Windows XP gleichzeitig sein SP1, Windows Server 2003 wurde auf dessen Basis entwickelt und dann wiederum erhielt Windows XP sein SP2. Dies wiederum sorgte erst mal für einen Aussetzer der Longhornentwicklungen, da das SP2 priorisiert wurde.
2004 entschloss man sich dann den Lognhorncode neu zu schreiben. Diesmal auf Basis des Windows Servers 2003 zum mal das alte Longhorn noch sehr sehr instabil war. Also ein Neubeginn. Ab diesem Zeitpunkt wurden mehr und mehr Funktionen wieder gestrichen und nach hinten verschoben. Mitte 2005 war es dann so weit, dass man “Longhorn” in “Windows Vista” umbenannte. Zwei Jahre nach eigentlichem Releasetermin (selbst der Entwicklungsreset lag ja schon nach dem ursprünglichen Termin) war man dann auch so weit, dass man eine erste Beta vorstellen konnte. Noch mal ein Jahr später, nämlich Ende 2006 war Windows Vista fertig.
Es wurde zu einem System, dass es nie werden sollte. Die neuen .net Funktionen (WinFX/ .net3) waren eigentlich für Blackcomb gedacht. Wurden in Vista integriert und schließlich sogar für XP verfügbar gemacht, was ein starkes Feature sehr entkräftete. Auch der Compositing Window Manager von Vista war eigentlich für Blackcomb gedacht. WinFS war ebenfalls für Blackcomb gedacht, wurde schon sehr früh nach Longhorn überführt (noch vor dem Reset) – dieses Ehrgeizige Projekt hat es aber auch nicht in die finale Version geschafft. Die Liste von Vistafunktionen, die im Laufe der Entwicklung gestrichen wurden ist lang. Die Liste der Vistafunktionen, die auf XP portiert wurden ebenfalls. Damit hat ein stark verspätetes Betriebsystem alles nur keinen leichten Start gehabt und auch noch heute hat Windows Vista keinen guten Ruf. Leider unverständlich, wo doch auch Vista noch so einige schöne Funktionen im Petto hat, die es für XP nicht gibt und wo Vista doch eigentlich ein so stabiles Betriebssystem ist.
Aber zurück zu Blackcomb. Ursprünglich sollte es 2005 auf den Markt kommen – also zwei Jahre nach dem ursprünglichen Longhorn. Dieser Plan konnte natürlich wegen den Vistaverspätungen auf keinen Fall aufrecht gehalten werden – und das wurde er natürlich auch nicht. Im frühen 2006 wurde Blackcomb zu Vienna umbenannt. Windows Vienna sollte also Vista beerben. Mitte 2006, also als sich Vista der Fertigung nähere begannen auch die Arbeiten an Vienna. Im Somme des Jahres 2007 wurde Vienna zu “Windows 7” umbenannt. Noch ein Jahr und wenige Monate später wurde dieser Name als Finaler Produktname festgesetzt.
Aber was ist Windows 7? Es heißt Windows 7 – der Kernel meldet sich als NT 6.1. Es sollte ganz zu Anfang ein Major Update geben – das wurde auf Vista Vorgezogen. Bei 7 ist nur der Name ein großer Sprung. Auch, wenn man die Funktionen betrachtet ist 7 sehr stark an Vista angelegt und verbessert es an sehr sehr vielen Stellen. Windows 7 ist mehr als ein Service Pack das ist ganz klar, alle die etwas andere behaupten reden ziemlichen Unsinn. Zu mal es von Microsoft schon sehr großzügig ist mit den meisten Service Packs auch neue Funktionen auszuliefern. Normalerweise werden dabei nur Bugs korrigiert.
Der große Sprung ist 7 natürlich auch nicht und es sollte es auch am Ende gar nicht mehr werden. Man hat gemerkt, dass man bei Vista viele Dinge angefangen hat, die aber nicht zu Ende geführt wurden. Windows Vista ist klar ein stabiles System geworden, mit der Skalierbarkeit sieht es aber sehr sehr schlecht aus. Microsoft hat nicht umsonst für Netbooks weiterhin XP im Angebot. Mit 7 wird sich das zum Beispiel ändern. Im Gegensatz zu Vista läuft es nämlich auch auf solchen Geräten.
Windows 7 hat auch im Bereich des UI sehr große Neuerungen. Die mit Vista eingeführte Sidebar ist weg – die Sidebargadgets lassen sich nun frei positionieren. Sicherlich toll. Viel größer ist jedoch die Änderung an der Taskbar. Die neue “Superbar” ist die größte Änderung an dieser Leiste seit ihrer Einführung mit Windows 95. Sie ist größer, grupiert und bietet (bei kompaiblen Anwendungen) so genannte Jumplists an. Auch die Taskleiste hat “Jumplists” spendiert bekommen. So kann man zum Beispiel beim überfahren eines Anwendungsicons gleich einer der letztgeöffneten Dateien öffnen oder gewisse Programmaufgaben ausführen. Auch der Windows Tray wurde überarbeitet.
Dies sind nur einige Beispiele, wo einfach mal konsequent weitergedacht wurde. Windows 7 dürfte sich trotz der wenigen Bahnbrechenden Neuerungen leichter etablieren als Windows Vista. Bei 7 fehlen einfach die vielen gebrochenen Versprechungen.
Nun ist Windows 7 in der öffentlichen Beta-Phase. Wir haben es uns angeschaut und werden die Neuerungen und Funktionen in den nächsten Tagen hier sehr genau unter die Lupe nehmen
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen